Programm

05. Dezember 2019

Raum: Oratorium Marianum

16:30 Uhr — Begrüßung

Institutsdirektor und Dekan

17:00 Uhr — Einleitung durch die Veranstalter

Joana van de Löcht, Natalia Zarska,Krzysztof Zarski

17:30 Uhr — The role of the George circle in shaping the Conservative revolution.

Alexander Mikhailovsky (NRU „Higher School of Economics“ Moskau):

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The paper is concerned with one of the most prominent examples of German intellectual history at the beginning of the 20th century, the George circle. The study identifies three principles which are crucial for the „political theology“ of the George circle – the principle of covenant, the principle of the charismatic leader and the principle of dominance and service. The main hypothesis is that the George Circle was an ideologically integrated group of intellectuals who sought to poeticize the political, and influenced the language and ideology of the „conservative revolution“ in Weimar Germany.

18:15 Uhr — Resakralisierung der säkularisierten Wirklichkeit innerhalb der ‚Konservativen Revolution‘

Wojciech Kunicki (Universität Wrocław)

06. Dezember 2019

Raum: Sala Nehringa

09:00 Uhr — Nietzsche, der „Gründervater“ der Konservativen Revolution? Zur Rolle Nietzsches in Armin Mohlers „Die konservative Revolution in Deutschland 1918–1932“

Milan Wenner (Universität Freiburg)

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Nietzsche spielte für Mohlers Denken zeitlebens eine wichtige Rolle. Noch 1988 zählte er ihn zum engsten Kreis seiner „geistigen Familie“ und sah in ihm die wichtigste geistesgeschichtliche Figur der Neuzeit, auf den „[a]lles, was heute geistig wesentlich“ sei, zurückgehe; detailliert hat er sich zu Nietzsche jedoch – abgesehen von einigen mündlichen Bemerkungen im Gespräch mit Petra Müller – nur in seinem 1950 gedruckten und seitdem mehrmals neu aufgelegten und erweiterten Standardwerk „Die konservative Revolution in Deutschland 1918–1932“ geäußert, in der Nietzsche in zweierlei Hinsicht eine entscheidende Rolle spielt: Zum einen geht Mohler davon aus, dass Nietzsche der Vordenker der Konservativen Revolution ist, in der überall, „bis in die Verästelungen des Stiles hinein, Nietzsches Gestalt spürbar“ werde. Zum anderen bezieht Mohler von Nietzsche die entscheidenden Schlagwörter und Konzepte, um Welt und Geschichte in seinem eigenen Sinne zu deuten: Nicht nur führt Mohler die für ihn so entscheidende zyklische Zeitvorstellung auf Nietzsches ,Lehre‘ von der „Ewigen Wiederkehr“ zurück; auch die Deutung des Geschichtsverlaufs als eines mit dem Christentum einsetzenden Verfalls ist stark durch Nietzsche beeinflusst.

In meinem Vortrag möchte ich Mohlers Nietzsche-Bild in „Die konservative Revolution in Deutschland 1918–1932“ im Detail rekonstruieren und dabei zeigen,inwiefern Mohler Nietzsche für seine Darstellungs- und Argumentationszwecke instrumentalisiert.

09:45 Uhr — Hölderins Konzept der Innigkeit in der Deutung Martin Heideggers.

Ewa Szymani (Universität Wrocław)

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Heideggers „Kehre“ von der Fundamentalontologie zur Philosophie der Kunst und der Dichtung geht einher mit seiner Lektüre von Nietzsche und Hölderlin. Hölderlin bezeichnet er als den Dichter des Dichters und der Dichtung und widmet ihm eine Reihe von Vorlesungen und Schriften.

Ich möchte die Aufmerksamkeit auf den Begriff der ‚Innigkeit‘ lenken, den Schlüsselbegriff in Hölderlins Poetologie, den Heidegger aufgreift (v.a. in „Der Ursprung des Kunstwerks“ 1949 und „Erläuterungen zu Hölderlins Dichtung“ 1936–68) und als „Zusammengehören des Fremden“ interpretiert.

Das Wort Innigkeit gehört zum Wortschatz der deutschen Mystik (Mechthild von Magdeburg) und erlebt seine Renaissance in der deutschen Frühromantik (Caroline Schlegel, Friedrich Schlegel, Schelling, Novalis) als Bezeichnung für einen besonderen geistigen Zustand oder eine Fähigkeit des Gemüts. Hölderlin entwickelt es zu einem poetologischen Begriff. Da aber seine Poetologie – wie es Heidegger erkannt hat – seinem systemischen Denken der Natur, der Menschen in der Natur und des Dichters als Vermittler zwischen der Natur und den Menchen entspricht, ist die Innigkeit auch Prinzip dieses besonderen ökologischen Zusammenhangs verschiedener Weltelemente. Hölderlins Anwendung und Verständnis des Begriffes Innigkeit wird im Referat ausführlicher dargestellt werden.

Beide Autoren stellen geschichtliche Umstände fest, in denen die Innigkeit als Prinzip zu walten aufhört. Diese Umstände möchte ich auch beschreiben und zum Schluss kurz erwägen, ob und inwieweit beide Autoren eine Chance sehen, der Tendenz zur Auflösung der Innigkeit entgegenzuwirken.

10:30 Uhr — Kaffee

11:00 Uhr — „daß das Leben lebbar nur wird durch gültige Bindungen“. Hugo von Hofmannsthals Schrifttumsrede im Lichte neoidealistischer Kulturkritik.

Björn Thesing (Universität Heidelberg)

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Hofmannsthals Schrifttumsrede (1927) gilt als eines der wichtigsten Zeugnisse der Konservativen Revolution und das, obwohl der Dichter hier einige unerwartete Wege geht. So formt Hugo von Hofmannsthal die Idee des geistigen Raumes der Nation mit Hilfe der Schablone des französischen Zusammenfalls von Schrifttum, Literatur und öffentlichem Geistesleben. Einige der Idiosynkrasien in Hofmannsthals Denken lassen sich dabei in Verbindung zur breit rezipierten Philosophie des Literaturnobelpreisträgers und Jenaer Philosophieprofessors Rudolf Eucken bringen.

Der Beitrag entwickelt daher ein ideengeschichtlich fundiertes Deutungsangebot, welches zentrale Begrifflichkeiten in Hugo von Hofmannsthals Rede – wie derjenigen der „Bindung“ – vor dem Hintergrund einer virulent rezipierten neoidealistischen Weltanschauungsphilosophie in einem dezidiert bildungsbürgerlichen wie konservativ-kulturkritischen Kontext lokalisiert und interpretiert. Die Perspektivierung der Schrifttumsrede und des komplexen philosophischen Œuvres Rudolf Euckens soll anhand einer Vielzahl von ideengeschichtlichen Valenzen aufgezeigt werden. In diesem Sinne verfolgt der Beitrag ein doppeltes Anliegen. Im ersten Schritt gilt es, Euckens kulturkritische Philosophie eines neuen Idealismus, welche als zentrales Desiderat ein ganzheitliches Geistesleben zur Überwindung einer intellektuellen Zersplitterung der Moderne einfordert, hinsichtlich ihrer Nähe zur Konservativen Revolution zu bestimmen. Im Anschluss werden einige zentrale Aspekte der Schrifttumsrede hinsichtlich der Frage nach der Kontinuität und Diskontinuität von Hofmannsthals Denken und Euckens Philosophie analysiert und evaluiert, wobei es hierbei besonders den für die Rede so wichtigen Bezugspunkt der Philosophie Friedrich Nietzsches zu berücksichtigen gilt.

11:45 Uhr — Zwischen Konservatismus und Liberalismus. Thomas Mann in den 20er Jahren

Jens Ole Schneider (Universität Jena)

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Thomas Manns Verhältnis zum ‚Konservatismus‘ ist ein zwiespältiges. Während des ersten Weltkrieges gehört Thomas Mann noch zu jenen Intellektuellen, die sich auf die Seite des Kaiserreiches schlagen und Deutschland als vermeintliches ‚Reich der Mitte‘ gegen die westliche Zivilisation ausspielen. In seinen monumentalen „Betrachtungen eines Unpolitischen“ formuliert Mann in diesem Sinne eine Programmatik deutscher Bürgerlichkeit und Konservativität. Sind die „Betrachtungen“ aber selbst schon von Ambivalenz geprägt, enthalten etwa auch schon ein Kapitel zur ‚Ironie‘, so beginnt in den 20er Jahren bei Mann eine starke Auseinandersetzung mit dem liberal-demokratischen Staatsmodell der Weimarer Republik. Ausdruck findet diese Auseinandersetzung in der 1922 gehaltenen Rede „Von Deutscher Republik“, eine Rede, in der Mann in durchaus eigentümlicher Weise versucht, konservative Traditionen mit solchen des Liberalismus und der Demokratie zu vermitteln. Manns Auseinandersetzung mit dem Liberalismus und mit der Kultur und Gesellschaft der 1920er Jahre findet aber auch Resonanz in seinem novellistischen Werk, so etwa in der 1925 erschienenen Erzählung „Unordnung und frühes Leid“. Der Vortrag geht in einem ersten Teil auf essayistische Positionen und Positionswandlungen bei Thomas Mann ein und überlegt anschließend, inwiefern die Erzählung „Unordnung und frühes Leid“ als Suche nach einer Position zwischen Konservatismus und Liberalismus gelesen werden kann.

12:30 Uhr — The conservatism and the revolution. Remarks on the genealogy of the concept of the conservative revolution.

Maciej Zakrzewski (Universität Krakow)

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The main aim of the lecture will be to show the evolution of the conservative ideology, especially in the reference to the idea of revolution. The Conservatism from its beginnings emphasized the role of such concepts as tradition, organicism and an evolutionary way of political change. The first conservative manifestos of thinkers such as E. Burke and J. de Maistre were strongly anti-revolutionary. But during nineteenth century something changed. The traditional social and political world was going to the collapse. So the defensive conservative strategy, even in counter-revolutionary option, lost its real basis.

At the turn from the nineteenth to the twentieth centuries some political thinkers of the conservative right were looking not only for a new or more modern language for old ideas, but also for a different perspective on political and social activity. Conservatism had to be redefined. In the revolutionary times something like normative tradition or evolutionary change lost any sense. There was nothing to conserve, so the new conservative politics should have created something new, even in the revolutionary way.

In France, Charles Maurras and the AF group tried to get rid of the legitimist burden and combined conservatism with nationalism. The same process we could observe in the Weimar Republic. The conservative revolution was not only a specific German way of thinking but also a relevant step in the general evolution of the conservative ideology in Europe.

The historical outline of that change, especially showing the difference between such concepts as conservatism (E. Burke, J. de Maistre), counter-revolution (J. Donoso-Cortes) and conservative revolution, will be the main aim of the lecture.

13:15 Uhr — Mittagessen

14:30 Uhr — Die „Konservative Revolution“ als Netzwerk – Überlegungen am Beispiel des Verhältnisses zwischen Wilhelm Stapel und Ernst Jünger.

Joana van de Löcht (Heidelberg)

15.15 Uhr — Jahre der Entscheidung. Der preußische Sozialismus bei Oswald Spengler und Ernst Niekisch.

Maciej Walkowiak (Universität Poznan)

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In der kurzen Analyse werden in axiologischer und semantischer Perspektive folgende Phänomene untersucht: Die Kontingenz der Umbruchszeit in Deutschland und Europa in der Zeitspanne zwischen 1900–1933, und insbesondere in den Jahren 1919–1933 anhand von ausgewählten Texten von Oswald Spengler und Ernst Niekisch. Diese Kontingenz funktioniert hier als ein ontologischer Referenzrahmen, in dem die Erscheinung des ‚preußischen Sozialismus’ sowie ihre Bedeutung für die Gesamtströmung der Konservativen Revolution in Deutschland analysiert wird. Der Begriff des ‚preußischen Sozialismus’ wird in seiner Dynamik im Kontext der Moderne und Antimoderne erklärt, auch in seiner axiologischen und semantischen Dimension. Die zwei hier in Frage kommenden Komponenten ‚preußisch‘ und ‚sozialistisch‘ werden in Bezug auf die anderen wichtigen Begriffe wie dem des ‚Nationalbolschewismus‘ (Niekisch) und des ‚nichtmarxistische Sozialismus‘ (Spengler) fokussiert. Von Bedeutung ist in diesem Kontext die Frage, ob der ‚preußische Sozialismus‘ bei Spengler und Niekisch unterschiedlich praktiziert wurde und inwiefern dies zu unterschiedlichen Diagnosen der Zeitgeschichte bei den beiden Autoren führen konnte. Dabei spielen die semantischen Ressourcen des Bergriffs des ‚preußischen Sozialismus’ eine Schlüsselrolle. Im Fazit wird das Verständnis dieses Begriffs bei Spengler und Niekisch in komparatistischer Sicht kurz analysiert und seine Rolle in der großen Strömung der Konservativen Revolution in Deutschland thematisiert. In einem Ausblick wird auf die Frage nach einer Zäsur durch das Jahr 1933 eingegangen und beschrieben, was mit der Idee des ‚preußischen Sozialismus’ im Dritten Reich geschehen ist.

16:00 Uhr — Kaffee

16:30 Uhr — Breslauer Bezüge der „Konservativen Revolution“.

Krzysztof Żarski (Universität Wrocław)

07. Dezember 2019

Raum: Sala Nehringa

09:00 Uhr — Edwin Erich Dwinger aus polnischer Sicht.

Krzysztof Polechoński (Universität Wrocław)

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Edwin Erich Dwinger, der einen bedeutenden literarischen Erfolg erzielte, indem er den Anschluss an die „Kriegsliteraturwelle“ am Ende der Weimarer Republik suchte, war auf eine positive Aufnahme im Polen der Zwischenkriegszeit gestoßen. Sein Roman „Armee hinter dem Stacheldraht“ wurde rasch übersetzt und besprochen, wobei die polnische Kritik von einem „der Größe Remarques verwandten Buch“ berichtete. Die Urteile kehrten sich nach dem Zweiten Weltkrieg, in der Zeit der Volksrepublik, um, da seine Rezeption fortan fast ausschließlich politisch geprägt war. Dwinger stieg damals zum „Haßliteraten“ sowie zum „führenden faschistischen Schriftsteller“ auf. Diese konfrontative, ideologisierte Aufnahme, getragen sowohl von literarischen Kritikern als auch Germanisten, erlosch im Laufe der Zeit. Unmittelbar nach 1989 lässt sich ein spürbar verschwindendes Interesse an diesem einst populären Literaten beobachten. Seitdem findet Dwinger in Polen nur sporadisch Erwähnung, zumeist in Nischenpublikationen, ohne dass diese eine größere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hätten.

09:45 Uhr — Ideelle und ästhetische Spuren der ‚Konservativen Revolution‘ im Werk von Botho Strauß.

Andrzej Denka (Universität Poznan)

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Mit seinem kontroversen „Spiegel-Essay Anschwellender Bocksgesang“ (1993) ist Botho Strauß von der breiten Öffentlichkeit als extremer Rechter abgestempelt worden. Seine Erläuterung, dass es sich lediglich um „das Rechte des gegenrevolutionären Typus von Novalis bis Rudolf Borchardt“ handele, haben recht wenige wahrgenommen. Bei genauerer Untersuchung erweist sich jedoch, dass seit den frühen 80er Jahren Botho Strauß der Konservatismus nachgesagt wird. Nadja Thomas (Würzburg 2004, vgl. auch Denka, Poznań 2013) bedient sich gar des Paradigmas einer „Konservativen Revolution“, was sich als tragfähig erweist, um das differenzierte Werk (Prosa, Dramen, Essays) von Strauß, einem der erfolgreichen deutschen Autoren der Gegenwart, zu erfassen. In diesem Werk sind die Einflüsse von Hugo von Hofmannsthal, vom frühen Thomas Mann, Stefan George und vor allem vom explizit als Vorbild angeführten und bewunderten Rudolf Borchardt („Die Distanz ertragen“, 1987) erkennbar. Das auf Armin Mohler zurückgehende Konzept „Linie und Kugel“, hier als Gegenüberstellung von linearer und zyklischer Zeitauffassung, wird von Strauß offensichtlich in seinem Prosaband „Beginnlosigkeit. Betrachtungen über Fleck und Linie“ (1992) ästhetisch bearbeitet. Viele andere Topoi, Motive und Denkfiguren (zum Beispiel die ‚schöpferische Restauration‘, der ‚heroische Realismus‘ oder der ‚extreme Tragizismus‘), die in anderen Werken von Strauß ausgemacht werden können, entstammen zweifellos dem ideell-ästhetischen Gedankengut der Konservativen Revolution.

10:30 Uhr — Kaffee

11:00 Uhr — Neurechte Rezeption der ‚Konservativen Revolution‘ beim frühen Thomas Mann.

Sebastian Kaufmann (Universität Freiburg)

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Der Vortrag untersucht die Rolle, die Thomas Mann, insbesondere seinen „Betrachtungen eines Unpolitischen“, aber auch noch in späteren Texten, innerhalb der Konstruktion der ‚Konservativen Revolution‘ durch Armin Mohler und seine neurechten Nachfolger zugeschrieben wird. Zunächst wende ich mich den Ausführungen über Mann in Mohlers zuerst 1950 erschienenem „Handbuch“ zur „Konservativen Revolution in Deutschland“ zu, um daraufhin die diesbezüglichen Veränderungen in Karlheinz Weißmanns Überarbeitung des Mohler’schen „Handbuchs“ (2005) in den Blick zu nehmen. Im letzten Schritt wird dann die mehrfache Berufung auf Mann im „Sezession“-Themenheft zur „Konservativen Revolution“ von 2011 in den Blick genommen. Gezeigt werden soll, dass und wie Thomas Mann – ungeachtet seiner ‚demokratischen Konversion‘ – von Vertretern der Neuen Rechten bis heute zu einer ‚Leitfigur‘ der ‚Konservativen Revolution‘ stilisiert wird, in deren Tradition sich die neurechte Ideologie sieht und durch die sie sich zu legitimieren strebt.

12:30 Uhr — Politik der Sprache in der ‚konservativen Revolution‘. Versucher einer Bestandsaufnahme.

Milan Horňáček (Universität Olmütz)

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Bereits am Anfang seiner Rede „Das Schrifttum als geistiger Raum der Nation“ stellt Hugo von Hofmannsthal die Rolle der Sprache im „Prozess“ der „konservativen Revolution“, den er im weiteren Verlauf seiner Rede reflektiert, in den Vordergrund: „In einer Sprache finden wir uns zueinander, die völlig etwas anderes ist als das bloße natürliche Verständigungsmittel; denn in ihr redet Vergangenes zu uns, Kräfte wirken auf uns ein und werden unmittelbar gewaltig, denen die politischen Einrichtungen weder Raum zu geben, noch Schranken zu setzen mächtig sind, ein eigentümlicher Zusammenhang wird wirksam zwischen den Geschlechtern, wir ahnen dahinter ein Etwas waltend, das wir den Geist der Nation zu nennen uns getrauen.“ Die Tatsache, dass die „Schrifttum“-Rede, welche die Karriere des Syntagmas ‚konservative Revolution‘ maßgeblich geprägt hat, die Sprache als die Kraft schlechthin begreift, durch die die Nation „zur Gemeinschaft verbunden“ wird, wurde zwar von der Forschung des Öfteren thematisiert, aber nur selten im Hinblick auf die Verortung der konservativen Revolution in der ideologischen und politischen Gemengelage der Weimarer Republik reflektiert. Das Ziel des Beitrags ist es erstens, auf die zentrale Rolle hinzuweisen, die Reflexionen über das ‚Wesen‘ der Sprache nicht nur bei Hofmannsthal, sondern im Werk zahlreicher weiterer prominenter konservativer Revolutionäre spielten, um zweitens den Zusammenhang zwischen diesen Reflexionen und ihrer politischen Agenda aufzuzeigen.

13:15 Uhr — Mittagessen

14:30 Uhr — Die Begriffe ‚Natur‘ und ‚Wildnis‘ in der ‚Konservativen Revolution‘.

Sandro Gorgone (Universität Messina)

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Der Beitrag zielt darauf, die Begriffe von Natur und Wildnis in der Perspektive der Rezeption Nietzsches sowie bei einigen Vertretern der Konservativen Revolution (Stefan George, Friedrich Georg Jünger und Ernst Jünger) zu erforschen.

Die Wildnis als Bereich eines möglichen, wieder verzauberten Erlebnis der Natur, das in der Dichtung Stefan Georges und seines Kreises vorkommt, wird zu dem Nietzschenischen Thema des „Großen Mittags“ verbunden: Der dionysische Augenblick des Mittags war schon bei Nietzsche Figur der Einstellung der chronologischen Zeit und Öffnung der tiefen Dimension der Natur.

Friedrich Georg Jünger betrachtet in der „Perfektion der Technik“ und in den „Griechischen Mythen“ die Wildnis als Gegenmittel gegen die abnutzende Vormacht der Technik, des Glaubens an den linearen Fortschritt und beschreibt sie als Ursprung und ewige Wiederkehr des Heiligen der Natur.

Ernst Jünger verwendet im „Waldgang“ und in anderen literarischen Werken die Wildnis als inneren Widerstandsort gegen die Macht des Nihilismus: Kunst, Religion, Freundschaft, Eros und stereoskopische Betrachtung der Natur bilden die geistigen Bereiche, in denen der Einzelne den Kampf gegen die technische Mobilmachung der Welt und die Arbeit als totalisierende Lebensform durchführen und daher seine eigene Freiheit gewinnen kann.

15:15 Uhr — Ernst Jüngers „Abenteuerliches Herz“ im Spiegel der ‚Konservativen Revolution‘.

Albert Eibl (Universität Wien)

16:00 Uhr — Kaffee

16:30 Uhr — Abschlussdiskussion